Besondere Ausrüstung

Als grössere der vier Gemeinde-Feuerwehren verfügt die FF Bachmehring mit den beiden Löschgruppenfahrzeugen eine im Vergleich zu der Ausstattung der drei Tragkraftspritzenfahrzeuge zusätzliche Ausrüstung. Da alle Feuerwehrfahrzeuge über eine gleiche Grundausstattung für hauptsächlich Brandeinsätze besitzen, unterscheiden sich die Löschgruppenfahrzeuge diesbezüglich nur durch das Vorhandensein einer fahrzeuginternen Feuerlöschkreiselpumpe und der Menge an Schläuchen und Zubehör. Unsere beiden Fahrzeuge verfügen jedoch darüberhinaus noch jeweils über vier Atemschutzgeräte und das LF 16/12 über einen hydraulischen Rettungssatz, pneumatische Hebekissen, einen Überdrucklüfter und einen Greifzug.
Da für den Einsatz unter Atemschutz und für die Bedienung dieser Ausrüstung jedoch mehr Ausbildung nötig ist (für Atemschutz sogar ein eigener Lehrgang der Kreisbrandinspektion siehe KFV-Homepage), werden diese Geräte im Folgenden genauer dargestellt.


Atemschutz

Atemschutz ist notwendig, wenn im Einsatz ein Vorgehen in Bereiche notwendig ist, an denen die Aussenluft nicht mehr zur normalen Atmung ausreicht. Dies kann beispielsweise bei Bränden durch die Brandgase (Rauch) oder bei Chemieunfällen durch austretende Gase der Fall sein. Besonders in brennenden Gebäuden ist eine Rettung von eingeschlossenen Personen ohne Atemschutz normalerweise nicht möglich. Die Atemschutzausrüstung besteht neben spezieller Kleidung, welche alle Atemschutzgeräteträger besitzen, aus einer Atemmaske und dem auf dem Rücken getragenen Atemschutzgerät. Die Atemluft wird auf 300 Bar verdichtet in einer Druckflasche mitgeführt. Der Träger ist somit, ähnlich wie ein Taucher, vollständig von der Aussenluft unabhängig.


Atemschutzgerät mit Maske


"Ready to go" - Kamerad mit kompletter AS-Ausrüstung

Wer beim Tragen eines Atemschutzgerätes trotzdem körperlich arbeiten soll, muss physisch fit sein. Zwar ist durch die Umstellung auf neuere Überdruckgeräte der Einsatz erleichtert worden, jedoch ist der Träger eines Gerätes nicht so leistungsfähig, wie ohne. Zusätzlich kommt meist auch noch eine erhöhte psychische Belastung hinzu. Ein brennendes Gebäude bei 30 cm Sicht (wegen den Brandgasen) und extrem hohen Umgebungstemperaturen (bis zu mehreren 100 Grad Celsius) zu betreten, besser zu bekriechen ist keine angenehme Erfahrung. Aufgrund dieser hohen Anforderungen schreibt der Gesetzgeber vor, dass alle Atemschutzgeräteträger regelmässig ärztlich auf ihre Tauglichkeit überprüft werden müssen. Bei dieser alle 2-3 Jahre notwendigen Untersuchung (Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G 26.3) wird der Feuerwehrmann von Kopf bis Fuss durchgecheckt. Nur wenn der Arzt keine Einwände findet, kann der Kamerad weiter Atemschutz einsetzen. Eine weitere Bedingung ist die erfolgreiche Teilnahme an der Atemschutzausbildung, welche im Lkr. Rosenheim auf Kreisebene durchgeführt wird. In diesem Kurs werden sowohl theoretische Kenntnisse, wie auch der praktische Umgang mit den Geräten vermittelt. Eine Höhepunkt der Atemschutzausbildung der letzten Jahre war sicher der Besuch eines Brandübungscontainers bei der FF Amerang (Hierzu gibt es auch eine Fotoserie in der Galerie) im November 2004. Hier konnten auch vier Kameraden unserer Wehr die Bekämpfung eines sog. "Flash-Over" (Schlagartiges Durchzünden von Rauchgas an der Decke eines Raumes) unter realistischen Bedingungen üben. Wie "realistisch" diese sind, zeigen folgende Bilder:


Beginn der Übung, Feuer wird entzündet


Übungsziel: Erkennen und Bekämpfen eines
"Flash-Over"


Hydraulischer Rettungssatz

Wird hauptsächlich dazu verwendet, in KFZ eingeklemmte Personen zu befreien. Die Ausrüstung hierzu besteht aus einer elektrisch betriebenen Hydraulikpumpe, dem sog. Spreizer, einer hydraulischen Schere und drei Hydraulikzylindern verschiedener Länge. Zusätzlich besitzt die FF Bachmehring noch einen Pedalschneider, welcher aufgrund seiner kleinen Abmessungen auch im Fussraum eines PKW zum Einsatz kommen kann. Am Pumpenaggregat angebracht sind auch noch zwei Schlauchhaspeln, die jeweils mit 30 m Hydraulikleitung bestückt sind. Zusätzlich zu diesen grossen Werkzeugen ist dann noch Zubehör wie Glas-Ex (zum Entfernen der Autoscheiben), Unterbaublöcke und Schwelleraufsätze vorhanden.


Schere und Spreizer


Rettungszylinder

Im Ernstfall kommt meist der Spreizer als erstes zum Einsatz. Damit können die nach Unfällen oft verklemmten Autotüren gewaltsam geöffnet werden. Jedoch ist zuvor ein Unterbauen des Unfallfahrzeuges notwendig, da jede Erschütterung zum Wohl des Insassen vermieden werden muss. Sind die Türen entfernt, kann nach dem Durchtrennen von A-,B- und C-Säule mittels der Schere, das Dach des KFZ entfernt werden. Dadurch erhalten die Retter einen viel besseren Zugang zu den Insassen, ausserdem ist eine achsgerechte Rettung (d.h. ohne das dieser gedreht werden muss) möglich. Um den nach dem Unfall möglicherweise deformierten Fussraum erweitern zu können, werden die Zylinder verwendet. Von den Schwelleraufsätzen abgestützt, ist es damit möglich, den ganzen Vorderwagen nach vorne unten abzukippen. Durch diese Bewegung wird im Innenraum, besonders aber im Bereich der Füsse, Platz gewonnen.


Spreizer im Einsatz zum
öffnen einer Autotür


Mit Hilfe der Zylinder abge-
kippter Vorderwagen

Zwar wird der Umgang mit Schere und Spreizer sehr häufig geübt, jedoch ist sicherlich keinem/er Kameraden/in wohl, wenn diese Fertigkeiten im echten Einsatz benötigt werden. Im Rahmen der Ausbildung, welche durch die Einführung des neuen LF 16/12, an den damals für alle Bachmehringern neuen Geräten, notwendig war, wurden viele Schrottautos zerlegt. Jede/Jeder Einzelne hatte dabei die Möglichkeit, einmal selbst mit den Werkzeugen zu arbeiten. Für das mehrmalige zur Verfügung stellen der Alt-KFZ geht ein sehr grosser Dank an die Fa. Zosseder, ohne die diese Übungen nicht möglich wären. Danke.

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